26. Januar 2007

Eighteen seconds before sunrise

So heißt eine der CDs von Sigur Rós, die im Handel auch „( )“ genannt wird.

Sanft, leicht, fast wahnsinnig

Ich machte vor kurzem eine Neuentdeckung der Klänge. Isländische Musik. Sigur Rós. Oh ja, sie wissen es, wie man Musik derart schreibt, dass man in die Unendlichkeit gerät… Obwohl in einigem gewöhnungsbedürftig, aber außergewöhnlich.

Ihr Musikstück „Hoppipolla“:


"Erlebt man Sigur Rós das erste Mal live, kann man fragen, ob sich Sänger und Gitarrist Jón Thór Birgisson eigentlich darüber im Klaren ist, was für eine Art Saiteninstrument er in den Händen hält. Birgisson bearbeitet seine Gitarre nämlich liebevoll mit einem Geigenbogen. Nicht weniger als ihre Landsmännin Björk verzaubert das Quartett seine Hörer denn auch mit einem so wirren wie aufwühlenden Soundtrack. Eine Sound-Definition ist praktisch unmöglich, was auch daran liegt, dass die Isländer über ihren schwebenden Soundtrack eine Fantasiesprache legen. Dies hat selbstverständlich Kalkül: Sänger Birgisson wünscht sich nämlich, dass der Hörer sich seine eigenen Gedanken macht und dass die Musik ein Kopfkino in Gang setzt." Weiter

„Glosoli“


Weitere Lieder kann man sich hier anhören.

In der Frühe, da wecke sie nicht...

Ein Häuschen in Schweden, da würde ich mich gerne hin begeben, und während draussen der kalte Wind heulen wird, ruhig einschlafen…


Afanasij Fet (1820-1892)
***
In der Frühe, da wecke sie nicht,
In der Frühe, da schläft sie so süß,
Dass der Morgen auf Busen, Gesicht,
In den Grübchen tief atmend erglüht.

Und das Kissen am Kopf ist erhitzt,
Ist erhitzt durch den quälenden Traum;
Und den Hals zu den Seiten umschließt
Schwarzer Flechthaare glänzender Saum.

Und am Abend, am gestrigen Tag
Lang und länger am Fenster sie stand,
Als der Mond in den Wolken lag,
Als der Mond zwischen Wolken versank.

Und je heller das Sternenlicht war,
Und je lauter die Nachtigall sang,
Desto bleicher wurde sie da;
In der Brust schlug das bange Herz bang.

Aus dem Grunde siehst du im Gesicht,
In den Grübchen das Morgenlicht glühn.
Nicht wecken! Nein, wecke sie nicht...
In der Frühe, da schläft sie so süß!
1842

Oder bereits aufgewachte, nicht Venus, sondern Olympia von Manet. Zu der Zeit der Entstehung des Bildes war es ein Skandal.

"Es war Manets Absicht, ein Thema der Alten Meister - die zurückgelehnte Nackte von Giorgione und Titian - sozusagen in zeitgenössische Bedingungen zu übersetzen. Man kann zusätzlich in der wundervollen Präzision, mit der die Gestalt gemalt wurde, starke Anklänge an den Klassizismus von Ingres feststellen. Obwohl Manet versuchte, durch seine Anlehnung an die Tradition die kritischen Meinungen zu besänftigen, bedeutete der Ansturm des Zorns, den das Werk auf dem 1865er Salon provozierte, eine vollkommene Desillusionierung.
Man kann eine starke Subtilität in der Modellierung der Gestalt der Nackten und eine feinfühlige Nuancierung zwischen den hellen Hauttönen und den weißen Laken der Liegestätte feststellen, welche die Angreifer Manets nicht recht erkennen wollten. Die Schärfe des Kontrastes zwischen dem Modell und den Vordergrund einerseits und dem stark verdunkelten Hintergrund andererseits, die dem venezianischen Thema eine moderne Lebendigkeit verlieh, wurde mit dumpfen Vorurteilen als intendierte Parodie interpretiert.
Die neue Lebendigkeit des Malens sowie die in diesen und in anderen Werken von Manet verwendeten Techniken, die den Zorn seiner Zeitgenossen wachgerufen haben, beeinflusste insbesondere die jungen Künstler, die später den Impressionismus begründeten." Quelle.

Wie schön und sinnlich Frauen heutzutage im Bett aussehen können, zeigt der diesjährige Pirelli-Kalender. Penelope Cruz und andere.

These Words

Natasha Bedingfield "These Words"



Charles Baudelaire

Der französische Dichter Charles Baudelaire (1821-1867) schrieb einmal vom Unverständnis der gewöhnlichen Menschen den Dichterseelen entgegen.

Der Albatros

Oft kommt es dass das Schiffsvolk zum Vergnügen
Die Albatros - die grossen Vögel - fängt
Die sorglos folgen wenn auf seinen Zügen
Das schiff sich durch die schlimmen Klippen zwängt.

Kaum sind sie unten auf des Deckes Gängen
Als sie - die Herrn im azur - ungeschickt
Die grossen weissen Flügel traurig hängen
Und an der Seite schleifen wie geknickt.

Der sonst so flink ist nun der matte steife.
Der Lüfte König duldet Spott und Schmach:
Der eine neckt ihn mit der Tabakspfeife
Ein andrer ahmt den Flug des armen nach.

Der Dichter ist wie jener Fürst der Wolke -
Er haust im Sturm - er lacht dem Bogenstrang.
Doch hindern drunten zwischen frechem Volke
Die riesenhaften Flügel ihn am gang.
(zum Original)


Auch schrieb er etwas anderes:

Die käufliche Muse

O meine Muse, der Paläste Kind!
Wirst du, wenn erst der Winter hetzt die Raben,
Für deinen nackten Fuss ein Feuer haben
In trüber Schneenacht und bei eisigem Wind?

Willst du die marmorkalten Schultern laben
Am nächtigen Strahl, der durch die Läden rinnt?
Willst du, wenn leer dir Tasch' und Gaumen sind,
Verborgnes Gold aus blauen Höhlen graben ?

Allabendlich wird dich der Hunger zwingen,
Chorkindern gleich beim Weihrauchfass zu singen
Den Lobgesang, der deinen Schmerz verhöhnt,

Seiltänzern gleich wirst du zur Schau dich stellen.
Indes dein Lachen, darin Schreie gellen,
Des rohen Haufens Gier und Lüsten frönt.

Auf den Seiten des Gutenberg-Projekts kann man seine Gedichte nachlesen.

Barishnikow und viel mehr

Das Tanzen hält mich am Leben
"... Das Geheimnis seines Erfolgs als personifizierter Mythos 1948 in Riga geboren, begann der größte Tänzer des 20. Jahrhunderts im Alter von neun Jahren mit dem Tanzen, studierte klassischen Tanz bei Alexander Puschkin in St. Petersburg und kam 18-jährig als Solist in die Balletttruppe des Kirow-Theaters. Auf einer Gastspielreise in Kanada floh er 1974 in die USA, schloss sich 1979 dem „New York City Ballet“ unter George Balanchine an, widmete sich seit 1980 auch dem modernen Tanz und war bis 1989 künstlerischer Direktor des „American Ballet Theatre“.

1990 gründete Baryschnikow, der sich als Tanzproduzent, Interpret und Ermöglicher versteht, zusammen mit dem Choreografen Mark Morris die moderne Compagnie „White Oak Dance Project“, die sich 2002 auflöste. Daneben war er in Filmen wie „The Turning Point“ und „Weiße Nächte“ zu sehen. (...)" Weiter
Anfangssequenzen aus "White Nights" mit M. Barishnikow.


Es ist sehr interessant, wie sich die Handlung des amerikanischen Politthrillers aus dem Jahre 1985 entwickelt:
"Vor Jahren ist der russische Ballettänzer Nikolai aus der Sowjetunion geflohen. Nie wieder, so hat er sich geschworen, wird er wieder einen Fuß in dieses Land setzen. Doch eines Tages stürzt er mit einem Passagierflugzeug über sowjetischem Territorium ab. Der KGB krallt sich den Abtrünnigen und will ihn der Welt als reumütigen Heimkehrer präsentieren. Nikolai soll brav ans Kirow-Theater zurückkehren. Doch der plant, zusammen mit einem während des Vietnamkriegs in die UdSSR übergelaufenen amerikanischen Steptänzer, erneut seine Flucht...
Wer auf klassisches Ballett steht, wird bei den Tanzeinlagen Baryshnikovs natürlich vor Freude feuchte Augen bekommen. Thriller-Fans bekommen solide Kost geboten: Oscar-Preisträger Taylor Hackford drehte den melodramatischen Politthriller zu einer Zeit, als der Kalte Krieg in seine Endphase ging. Worte wie Glasnost machten erstmals die Runde und brachten wenige später das amerikanische Kino in eine schwere Bedrängnis: Ohne Feindbilder lassen sich eben schlecht internationale Thriller produzieren. Inzwischen scheinen die Araber die Funktion übernommen zu haben, sieht man sich Filme wie "G.I. Jane" mit Demi Moore an, wo die US Navy mal eben in Libyen einfällt, nur um eine kleine Übung abzuhalten. Für seinen Filmsong erhielt Lionel Ritchie einen Oscar." Quelle
Michail Barishnikow spielte in der letzten Staffel "Sex and the City" an der Seite von Sarah Jessica Parker.
"Nach dem Script verliebt sich Carrie zum Ende in einen Mann "mit großer Persönlichkeit", einen international geschätzten Künstler. Er soll ihr helfen, endlich den verflossenen, aber immer wieder zurückkehrenden Liebhaber "Mr. Big" zu vergessen.
Der Tänzer und Choreograf soll Carrie sozusagen "von den Füßen heben". Mehr

21. Januar 2007

Brecht - Gedichte

Wenn du mich lustig machst
Dann denk ich manchmal:
Jetzt könnt ich sterben
Dann war ich glücklich
Bis an mein End.

Wenn du dann alt bist
Und du an mich denkst
Seh ich wie heut aus
Und hast ein Liebchen
Das ist noch jung.


Das dritte Sonett

Als ich schon dachte, dass wir einig wären
Gebrauchte ich, fast ohne drauf zu achten
Die Wörter, welche meinten, was wir machten
Und zwar die allgemeinsten, ganz vulgären.

Da war’s, als ob von neuem du erschrakst
Als sähst du jetzt erst, was wir machten, sei
In vielen Wochen, die du bei mir lagst
Lehrt ich von diesen Wörtern kaum zwei.

Mit solchen Wörtern rufe ich den Schrecken
Von einst zurück, als ich dich frisch begattet
Es lässt sich länger nunmehr nicht verdecken:
Das Allerletzte hast du da gestattet!
Wie konntest du dich nur in so was schicken:
Das Wort für das, was du da tatst, war


Schwächen

Du hattest keine
Ich hatte eine
Ich liebte

Quelle: Brecht, Liebesgedichte, Suhrkamp

Umbrellas of Cherbourg

Schöne Musik von Legrand in einem sehr traurigen und melancholischen Film von Jacques Demy "Les Parapluies de Cherbourg" aus dem Jahre 1964 mit der noch ganz jungen Catherine Deneuve.



Anne Bradstreet

"Wenn wir keinen Winter hätten, wäre der Frühling nicht so angenehm."

Anne Bradstreet, (1612 - 1672), geb. Dudley, erste anglo - amerikanische Dichterin, deren Werke veröffentlicht wurden.
To my dear and loving Husband
If ever two were one, then surely we.
If ever man were loved by wife, then thee;
If ever wife was happy in a man,
Compare with me, ye women, if you can.
I prize thy love more than whole mines of gold
Or all the riches that the East doth hold.
My love is such that rivers cannot quench,
Nor ought but love from thee, give recompense.
Thy love is such I can no way repay,
The heavens reward thee manifold, I pray.
Then while we live, in love let's so persevere
That when we live no more, we may live ever.

Deutsche Übersetzung:
Für meinen guten und liebenden Ehemann
Wenn zwei je eins gewesen sind,
dann sicherlich wir.
Wenn je ein Mann von seiner Frau geliebt,
dann hier.
Wenn eine Frau je glücklich war mit einem Mann,
vergleicht euch mit mir.
Holde Frauen seht mich an.
Deine Liebe ist von solcher Art,
dass ich sie niemals begleichen kann.
Dass wir diese Liebe je durften erfahren,
dafür sei Dank.
Und während wir leben in Liebe,
lass uns diese Liebe bewahren.
So werden wir sie auch im Tode noch weiter erfahren.
Eine sehr interessante Seite über sie mit den Gedichten und den Analysen dazu.

Gershwin

"Rhapsody in Blue", am Klavier Leonard Bernstein.


George Gershwin (1898 – 1937) (eigtl. Jacob Gershovitz) wird als Sohn eines russisch-jüdischen Einwanderers in East New York (heute: Brooklyn) geboren.

Für die Musikwelt nach ihm ist er unsterblich geworden.

„Ich hatte viele Wohnungen, aber zu Hause war ich am Klavier“, bekannte George Gershwin einmal. – Seine Anfänge lagen in der amerikanischen Schlager- und Jazzmusik, die er schon als Schüler aufden Straßen New Yorks hörte und die ihn vom ersten Augenblick an faszinierte. Geboren am 26.September 1898 als Sohn russisch jüdischer Einwanderer in New York erhielt er Klavierstunden, mit 14 auch schon Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt und Instrumentation. Mit seinem Lehrer Charles Hambitzer, der sein Genie sofort erkennt, begeistert er sich an der Musik Debussys und Ravels, den neuen Göttern des Impressionismus. Schon früh beginnt der junge Gershwin Songs zu schreiben, die sogar in Druck erscheinen. Für einen Verlag arbeitete er mit 16 als „plugger“, also als Pianist, der den Kunden tagein tagaus die neuesten Schlager vorspielen muss, um sie an den Mann zu bringen. Bald entdeckt er, dass er selbst viel bessere Songs schreiben kann. Doch vorerst ist niemand interessiert. Er wechselt als Korrepetitor zur Jerome Kern-Victor Herbert Show, macht sich mit musikalischen Tipps und Ratschlägen langsam unentbehrlich und gewinnt die Diva der Revue für seine Lieder. Zwei davon werden tatsächlich in die Show aufgenommen und haben Erfolg.
(...)
Doch zurück zu Gershwin. In New York feiert man im März 1928 einen illustren Gast, der für einige Konzerte aus Europa herübergekommen ist: Maurice Ravel. Auf einer Party wird er gefragt, was er sich zum Geburtstag wünsche. „Ich möchte Gershwin kennen lernen und spielen hören“, antwortet Ravel. Gershwin kommt und spielt dem Kollegen fast sein gesamtes Repertoire vor. Ravel ist entzückt. Schließlich fasst George Gershwin seinen ganzen Mut zusammen und fragt Ravel, ob er ihn als Schüler annehmen und ihn in Harmonielehre und Instrumentation unterweisen würde. Ravel lächelt und sagt: „Sie sind ein erstklassiger Gershwin. Warum wollen Sie ein zweitklassiger Ravel werden?“

Weiter über ihn und seine Werke

Ein sehr schönes Lied von ihm. Kate Bush singt "The Man I love", begleitet von Larry Adler.


"Bezeichnend für die Praktiken jener Zeit ist das Schicksal des Gershwin-Songs "The Man I Love", einer vom Blues inspirierten Ballade, die zu einem der meistgespielten Jazz-Standards wurde. Die Melodie gehörte ursprünglich in die Einleitung ("verse") eines anderen Songs, erwies sich aber als zu stark dafür und wurde im April 1924 als eigenständiger Song ausgearbeitet und von George Gershwin stolz auf Partys präsentiert. "The Man I Love" sollte im 1. Akt der Show "Lady, Be Good" Platz finden, wirkte dort aber zu ernst, landete im 2. Akt und wurde schließlich ganz gestrichen, weil die Show zu umfangreich war. Drei Jahre später kam der Song zwar in zwei weiteren Shows unter, doch die eine ("Strike Up The Band") wurde wegen Mißerfolgs gleich wieder abgesetzt, die andere ("Rosalie") so oft umgeschrieben, daß am Ende für "The Man I Love" - nach Kenner-Urteil "der perfekte Popsong" - kein Platz mehr blieb.
Doch inzwischen hatte eine Verehrerin Gershwins eine Abschrift des Songs an ihr Lieblings-Orchester in London vermittelt: Dort spielten ihn andere nach Gehör nach, sogar schwarze Bands in Paris griffen ihn auf. Der englische Komponist John Ireland (1879-1962) kommentierte schon 1924 eine der ersten Platten-Aufnahmen des Songs so: "Wozu braucht er eine Sinfonie, wenn er einen solchen Song schreiben kann? Das ist perfekt (...), das ist die Musik Amerikas. Sie wird so lange bestehen wie ein Lied von Schubert oder ein Walzer von Brahms." Obwohl "The Man I Love" kein Broadway-Erfolg war, veröffentlichte Gershwins Verleger daraufhin die Noten und verkaufte den Druck innerhalb von 6 Monaten etwa 100.000 mal. Die Show "Strike Up The Band" lief 1929 in revidierter Fassung wieder an, doch da war "The Man I Love" längst ein so erfolgreicher Club- und Tanz-Hit, daß er dem Publikum in einer neuen Broadway-Show nicht mehr präsentiert werden konnte. Als Benny Goodman 1937 dem Combo-Jazz eine neue Ästhetik schuf, gehörte das sanft-traurige "The Man I Love" zu seinen Erkennungs-Melodien. Auch die zerbrechliche Art, wie Billie Holidays laszive Stimme den Song 1939 sang, hat sich allen Jazzmusikern und Jazzfans ins Ohr gegraben. Und als Miles Davis 1954 die Melodie in kühl-abstrakte Trompetenlinien übersetzte und Thelonious Monk dazu seinen perkussiv-sperrigen Bebop ins Klavier hieb, war "The Man I Love" auch ein Klassiker des modernen Jazz geworden. Hunderte von Plattenaufnahmen beweisen heute seine Jazz-Tauglichkeit." Weiter

16. Januar 2007

Autumn Leaves

Heute ging ich durch die Kälte und geriet in den Herbst, obwohl draußen es zum ersten Mal endlich winterlich geworden war. Das war nur mein Hausmeister. Er versuchte, die gefallenen, bereits vertrockneten und ihre Farbe längst verlorenen Herbstblätter dem Wind zu entreißen und sie zu einem großen Haufen zu sammeln. Die Blätter wollten aber fliegen und nicht ruhig da liegen und auf ihr Schicksal warten... Sie flogen und fielen wieder...
Ich roch auf einmal Herbst und es gibt kein anderes Lied, das so sinnlich das zeigen kann, was ich in dem Moment empfand…


Gesungen von Eva Cassidy
Autumn Leaves
Musik:J.Cosma Lyrics:
J. Prévert Englische Übersetzung: J. Mercer
The falling leaves drift by my window
The falling leaves of red and gold
I see your lips, the summer kisses
The sunburned hands I used to hold

Since you went away the days grow long
And soon I'll hear old winter's song
But I miss you most of all, my darling
When autumn leaves start to fall

Since you went away the days grow long
And soon I'll hear old winter's song
But I miss you most of all, my darling
When autumn leaves start to fall

I miss you most of all, my darling
When autumn leaves start to fall

Ich bin wahrscheinlich, wie ein kleiner Vogel im Winter. Ich sehne mich nach Wärme und bereits jetzt vermisse ich mehr denn je zuvor den sanften, unbesorgten Frühling…
Dieses Liebeslied, welches denselben Namen auf Englisch, wie auch Titel hier trägt, ist Soundtrack zu dem gleichnamigen Film „Autumn leaves“ aus dem Jahre 1956 und wurde zu einem der beliebtesten und am meisten interpretierten Jazz- und Blues-Lied.

Wenn

Wenn du...

Wenn du bedenkst, dass ich begehre,
Dass ich begehre dich und deinen Pfahl,
Dann irrst du dich, denn nur Boheme
Begehrenswürdig ist, und nicht ein nasser Schmatz.

Wenn du erträumst, dass ich dich zart liebkose
Und Lippen meine dich umfassen hart,
Dann irrst du dich, denn nur Jurisprudencia
Im höchsten Masse wohl mich erregen mag.

Wenn du dran denkst, dass ich nackt vor dir stehe,
Um deinen … nach oben zu beweg'n,
Dann irrst du dich, denn nur um meines Friedens willen
Dich führe ich zu so einem Geschlecht.

Wenn du erhoffst, dass ich dich bald willkomme -
Willkommen heiße und befriedig gleich,
Dann irrst du dich aber gewaltig, du – der Mann der Männer,
Den zu vergessen es dem Selbstzerstören gleicht.

Wenn du jetzt glaubst, dass ich nur kalte Jungfer
Verbleiben werde, in meines ganzen Lebens Zeit,
Dann irrst du dich, denn meine jungen Jahre,
Mein Herz und meiner Lippen ruhige Unruhe ,
Sie lieben dich, sie wollen und begehren dich.
Und gleich, was kommt, sie bleiben dein.

10. 01.2007
4 Uhr morgens

Sprachlos

Diese engelhaften Stimmen machten mich sprachlos:

Jean-Baptiste Maunier und Clémence "Concerto pour deux voix"
Der junge Sänger Jean-Baptiste Maunier ist 16 und ist in Frankreich bereits ein Idol.

14. Januar 2007

Außer Atem

Zu dieser Musik würde ich an einem kalten Morgen am liebsten… Hm, was würde ich denn am liebsten tun? Das weiß ich noch nicht so richtig und verrate daher noch nicht…



Der Cover-Song "Dance With Me", der mit diesem Filmausschnitt kombiniert wurde, ist auf der CD "Nouvelle Vague. Bande à Part" enthalten. Der Film heißt genau so, "A bande à part" ("Außenseiterbande") (1964), und stammt von grossem Meister Jean - Luc Godard. Weitere Lieder kann man außerdem hier hören. Am Ende des Beitrags ist noch ein Lied zum Genießen.
"Vibraphon, viel gestrichenes Schlagzeug, gezupfte Gitarre, Tamborim, Cabasa, Triangel, Rassel ... - und französischsprachige Sängerinnen, die an der englischen Aussprache scheiternd, sehnsuchtsvoll-wehmütig klingen: Versionen, als hätte man die Originale nie gehört." standard.at
"Als Nouvelle Vague, was auf englisch „New Wave“ oder portugiesisch „Bossa Nova“ heißt, transformiert das Duo seine Lieblingssongs der Spät-Siebziger und Früh-80er in eine Parallelwelt, in der Chansons, Bossa Nova, Latin oder Jazz den Rhythmus vorgeben. Dort wird natürlich nicht in Doc Martins mit einer Kanne Bier Pogo getanzt, das Sicherheitsnadel-Piercing bewundert oder in kollektive Schwarzkittel-Depressionen verfallen. Dort wird leichtbekleidet geschunkelt, elegant getanzt, Kaffee und coole Drinks geschlürft." Weiter
NV in den Filmen:
"Nouvelle Vague, zu deutsch Neue Welle, ist die Bezeichnung für eine Stilbewegung, die im Frankreich der späten 50er Jahre erstmals auftauchte. Junge Regisseure, die meisten davon mit Erfahrung als Filmkritiker, wandten sich gegen die zunehmende Verbiederung der Filme und die formale wie inhaltliche Vorhersehbarkeit im damaligen Kino.
Zu den wichtigsten Vertretern gehörten François Truffaut ("Sie küssten und sie schlugen ihn", 1959; "Schießen Sie auf den Pianisten", 1959), Louis Malle ("Zazie", 1960), Jean-Luc Godard ("Außer Atem", 1959), Jacques Rivette ("Die Nonne", 1965) und Eric Rohmer ("Meine Nacht mit Maud", 1968).
Als erster Film dieser neuen Welle wird allgemein Claude Chabrols "Die Enttäuschten" von 1958 angesehen.
Die Filme waren gekennzeichnet durch ein Desinteresse an klassischen Erzählstrukturen, durch neuartige Schnittechnik und eine gewisse Vorliebe für ungewöhnliche, zum Teil surrealistische Bilder. Sie entstanden nicht in gut ausgestatteten Studios, sondern "auf der Straße" und mit Handkameras. Oft stand das "Filmische" an sich im Zentrum der Reflexion. So ist Malles "Zazie" nicht nur ein Film über eine zwölfjährige Göre, die unbedingt mit der Metro fahren will, sondern in viel stärkerem Maße ein Abriß von damals sieben Jahrzehnten Filmgeschichte: Slapstick und Experimentalkino unter einen Hut gebracht.
Die Nouvelle Vague hatte ihre beste Zeit in der ersten Hälfte der 60er Jahre, dann ebbte sie langsam ab. Die Regisseure gingen entweder im gehobenen Mainstream auf (Truffaut), wiederholten sich endlos selbst (Rohmer) oder zogen sich ins Hinterstübchen zurück, um hemmungslos herumzuexperimentieren (Godard).
Der Einfluß, den die Nouvelle Vague bis heute besitzt, kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Der Jump-Cut etwa, bei Godard und Malle noch Mittel der optischen Provokation, ist heute aus dem Kommerzkino und dem Werbespot nicht mehr wegzudenken." Quelle

"Aus einer ästhetischen Bewegung wurde 1968 eine politische, als Truffaut und Godard sich den Mai-Unruhen anschlossen und den Abbruch des Festivals von Cannes erzwangen." Welt

Außer Atem

Ich muss den Film "Außer Atem" (1960) von J-L Godard einfach sehen. Meine liebe französische Filmkunst ist an mir bis jetzt an dieser Stelle irgendwie vorbei gegangen.

„... I see no difference
between movies and
life. They are the same.”
(J-L Godard)

Er (Jean-Paul Belmondo), Sie (Jean Seberg).

Jumpcuts, die früher als Schnittfehler galten, werden hier als Stilmittel eingesetzt, während die Beiden miteinander im Hotelzimmer sprechen, philosophieren, streiten, miteinander schlafen. Neue Schnitte, Veränderungen, die aber die Handlung nicht unterbrechen. Mal nackt, im nächsten Augenblick angezogen.

Er will alles und weiß nicht, was; er liebt sie und weiß gleichzeitig nicht, was es bedeutet. Sie ist gerne mit ihm, sie redet mit ihm, sie schläft mit ihm gerne, will ihn aber doch nicht so fest haben.

"Durch all dies wirkt der Film übrigens halbdokumentarisch, als ob ein mal rasender, mal etwas ruhigerer Filmreporter eine Person in Paris mit der Kamera verfolgen würde." Eine sehr gelungene Kritik und unglaublich bestürzende Beschreibung des Films und des Stils der Filmkunst kann man auf www.filmstarts.de lesen.

Wie der Zufall es will, las ich vor kurzem in der FAZ (Weihnachtsausgabe) einen Artikel von C. Seidl über die Rolle der Zigaretten in der Filmkunst. Ich selbst Nichtraucherin fand diesen Artikel sehr anziehend.

Es ging natürlich wieder um Godards "Außer Atem", das Foto im Artikel war aus derselben Szene, wie dieses hier. Beschriftet wurde es mit:

Die Zigarette danach ist die Zigarette davor...
Es ging um Folgendes:
Dem Nichts ein Stückchen näher
Rauchen wird verboten, das Zeitalter der Zigarette erlischt: Eine Kultur löst sich in Luft auf

"(...)Was wohl Jean-Paul Belmondo dazu inspiriert hat, in der schönsten Szene von "Außer Atem" auf Jean Sebergs Faulkner-Zitat, auf den Satz nämlich "Vor die Wahl gestellt zwischen dem Leiden und dem Nichts entscheide ich mich für das Leiden", ganz erregt zu antworten: Nein, das sei Quatsch, ein fauler Kompromiß. Er, Belmondo, würde sich immer für das Nichts entscheiden. Das ist die Antwort eines Rauchers, der (ganz ohne östliche Spiritualität und Nirwana-Seligkeit dafür zu brauchen) am besten weiß, daß das große Nichts ja zugleich der Grund und das Ziel des Rauchens ist (weshalb man den Nichtraucher Friedrich Nietzsche schon für sein Gedicht "Ecce Homo" zum Raucher ehrenhalber ernennen muß).
Die Szene oben läuft naturgemäß auf Sex hinaus, und danach steckt Belmondo sich eine filterlose an, bläst, sehr sanft, den Rauch in Richtung von Jean Sebergs Schulter, Rücken, Hüfte; die Zigarette danach füllt die Leere zwischen den Körpern aus - und man sieht, was man, solange dort geraucht wurde, eigentlich immer im Kino gesehen hat: Die Kunst des Rauchens ist erfunden worden, damit der Atem (darf man eigentlich sagen: und somit auch das Wesen?) des Menschen sichtbar werde. Erinnert sich noch jemand daran, daß Liebende früher einander Rauch ins Gesicht geblasen haben? Heute gilt so etwas als Körperverletzung. (...)"

Weitere Infos: Nouvelle Vague auf Deutschlandfunk, Jean Luc Godard



Nouvelle Vague Band "Don't go"

Spontane Rosen

Spontan




Diese Blüten betören nicht nur mit ihrem schönen Duft, man kann mit den Rosen auch sehr viel ausprobieren. Wie zum Beispiel eine Rosenmarmelade kochen. Man nimmt dafür Duftrosen, die ungespritzt sind.
10 handvoll Blüten - Blätter, frische, von Rosen 1 Pck. Gelierzucker, 2:1 oder 3:1 1 Liter Wasser 2 Stück Zitrone(n), den Saft 1 Pck. Vanillezucker
Die angegebenen Zutaten vermengen und 20 Minuten kochen. Saubere Gläser mit Rum ausspülen, die Marmelade sofort heiß einfüllen und die Gläser verschließen.
Zubereitungszeit: 30 Minuten Rezept
Auch in der Geschichte hat diese Blume eine bemerkenswerte Rolle gespielt:
„Die beiden englischen Adelshäuser (House of York) und Lancaster (House of Lancaster), zwei verschiedene Zweige der Plantagenet, die ihren Stammbaum auf König Edward II zurückführen konte, rauften im 15. Jhdt. miteinander um den Thron. Dieser blutiger Bürgerkrieg, der von 1455 bis 1487 dauerte, wird der "Rosenkrieg" genannt, denn York führte die weisse, (Rosa x alba 'Maxima') Lancester die rote Rose (Rosa gallica 'Officinalis') im Wappen.
Das blutige Drama kostete drei Königinnen das Leben; das Haus Lancaster siegte.
Als Heinrich VII , ein Angehöriger des Hauses Lancaster sich dann 1486 mit Elisabeth von York vermählte, vereinigte er durch diese Vernunftheirat die beiden Häuser zu einer friedlichen Großfamilie Englands.
Auch über das Wappen einigte man sich schnell:
die weiße Rose wurde auf die rote gelegt.
So entstand die heutige Wappenrose des englischen Königshauses, die "Tudor-Rose". Zum Gedenken an diese Lösung wurde die weissrot gestreifte York and Lancaster Rose gezüchtet.
Shakespeare hat die englischen Rosenkriege in seinem Drama Heinrich VI berühmt gemacht...
Plantagenet
Es pflücke, wer ein echter Edelmann
Und auf der Ehre seines Bluts besteht,
wenn er vermeint ich bringe Wahrheit vor
mit mir von diesem Strauch `ne weiße Rose
Somerset
So pflücke, wer kein Feiger ist noch Schmeichler
Und die Partei der Wahrheit halten darf,
mit mir von diesem Dorn `ne rote Rose"
Weiter über die Rosenkriege

Oder man nimmt schliesslich einfach ein entspannendes Bad mit den Rosenblättern.
Welt der Rosen und Blumensprache.
P.S. Das waren meine Hände auf den Fotos.

Am Rande der Vernunft

Wie lang erhält sich Leid,
Wie hoch ertönt sein Hochmut.
Ins Unermessliche steigt Schmerz,
Nur Lippen wahren Demut.

Die Hände fest gebunden
Am Rande der Vernunft -
Der Körper zuckt in Qual
Und wählt des Todes Mut.

24.12.2006

8. Januar 2007

Fantasie

Damit hier etwas Schönes für die Zeit bleibt, während ich weg bin, hinterlasse ich etwas für dieses komische Wort oben - Fantasie.

Jemand hat mich vor kurzem um dieses Wort gebeten. Es war eine zunächst ungewöhnlich klingende Bitte, nun ist mir aber doch noch Einiges eingefallen.

Ist es etwa das Gefühl, wenn man in einem sommerlichen Winter vom Schnee träumt? Von einer kleinen kalten Schneeflocke, die auf das Gesicht fällt und gleich zur Flüssigkeit zerläuft? Jeder hat es schon versucht, dieses kleine Wunder der Natur mit der ausgestreckten Zunge, wie ein Kind, zu fangen. Es ist aber letztendlich nur ein augenblickliches Vergnügen, das nur einen kleinen feuchten Fleck da hinterlässt, wohin es fällt…

Damit es aber nicht so kalt wirkt, habe ich zur Abwechslung auch etwas Anderes ausgesucht:

Wie ist es mit jener Fantasie? AXE hat mit seiner Werbung bereits einige Träume wahr gemacht:

Damit es noch nicht genug ist, etwas von sehr reizender Frauenunterwäsche von Agent Provocateur mit Kylie Minogue:


All the men in the audience, stand up! … No?
 
Hot und wundervoll! Und wie wahr… :)
Ist Fantasie nur Traum?

Fantasie kann man nicht bändigen, sie ist frei, wie ich. Bevor keine technischen Geräte entwickelt worden sind, die meine Gedanken lesen können, bleibt sie unter Verschluss. Denn ich lebe sie einfach aus.

Einmal schrieb ich etwas, was auch in den Bereich einer Fantasie gehört:

Nur habe ich endlich für mich beschlossen, dass mich nur derjenige auffangen darf, der mich in seinen Armen für immer bei sich behalten darf und das Glück seines Lebens auch darin bestehen wird, mich glücklich zu sehen… Auch wenn es Jahre dauern wird, bis er kommt, warte ich nicht auf ihn. Es wird von alleine geschehen… dabei werde ich auch sofort wissen: Er ist der Richtige… Er wird mich nicht wegen meiner Beine mögen, nein, er wird mich so lieben, wie ich bin, meine Seele und alles, was ich ausmache. Irgendwann im letzten Jahr erschien in FAZ ein Artikel über „Lieber fliegen oder lieber lassen“, und da hat man Pro und Contra der Liebe abgewogen. In dem Moment war ich gerade in dem Zustand angekommen, in dem ich überhaupt nicht mehr spüren konnte, was Liebe ist... Und gerade auf der Seite „Contra“, wo es um „Lieber lassen“ ging, stand am Ende:

„Lassen wir also die Sache mit der Liebe. Gehen wir jeden Tag hinaus und schauen uns die Welt an, diesen bösen, öden Raum, in den sie uns gestoßen haben. Es ist besser so. Lieber sind wir gewappnet für all das Schlimmste, das uns hier begegnen wird, als dass uns jemand an unserer schwacher Stelle erwischt. (Bis zu dem Tag, wenn die Liebe um die Ecke biegt. Es wird unser schönster Tag gewesen sein.)"

Das in den Klammern am Ende ist das Schönste... Vielleicht ist es töricht von meiner Seite, aber zumindest bleibe ich meinem Inneren endlich treu...

Es ist aber letztendlich kein Traum, ich tue es einfach, ich lebe und schreite jeden Tag aufs Neue in dieses wundervolle Leben hinaus, und dabei bleibe ich niemandem anderen, als vor allem mir selbst treu.

Und wenn ich diejenige Schneeflocke finde, die nicht im Nu verschwindet, werde ich Euch davon wissen lassen.

Eure Fantasie…

6. Januar 2007

„L'amour est un oiseau rebelle“

Julia Migenes als Carmen in der Kinoversion von George Bizet's "Carmen" (1983) von Francesco Rosi ":


Text der Arie auf Französisch und Englisch
Handlung der Oper

Über Inszenierungen der Carmen in der zeitgenössischen Oper- und Theaterkultur:
Carmen schreckt die Männer sehr
Was ist aus George Bizets Oper der Emanzipation geworden? Drei neue Inszenierungen in Berlin, Antwerpen und Dresden zeigen mehr Asche als Freiheitsglut
Kürzlich lief der berühmte Carmen-Film von Carlos Saura wieder im Fernsehen, und man konnte noch einmal der Flamencotänzerin Laura del Sol begegnen: Wie sie sich von der unscheinbaren Elevin zu einer verachtungsstolzen, starken Frau wandelt. Wie ihr als Carmen das Unabhängigkeitsfeuer aus den weit aufgerissenen Augen lodert. Wie sie die Absätze fordernd im Maschinengewehrtempo knallen lässt und ihre Brüste führt »wie die Hörner eines Stiers«, so hatte es ihre alte Flamencolehrerin verlangt. Der Film bildete, als er 1983 in die Kinos kam, den Scheitelpunkt einer regelrechten Carmen-Welle, zusammen mit Peter Brooks gefeierter Theater-Carmen, Francesco Rosis Kinoversion der Bizet-Oper und vielen anderen Produktionen. Laura del Sol trat auf als Verheißung einer Weiblichkeit, die sich wortkarg, aber mit ungemeiner Körperlichkeit einfach mehr vom Leben nimmt und emanzipatorische Selbstbehauptung mit ungebändigter Lust selbstverständlich in Einklang bringt. Die Volkshochschulkurse für Flamenco waren damals ausgebucht.
In Berlin eine edel-kalte Göttin, in Antwerpen eine Schlampe
Heute, so scheint es, ist Carmen kein Versprechen mehr. Aufbruchsstimmung will sich nicht mehr an ihr entzünden. Man spürt es sofort, wenn sie die Opernbühne betritt. (…) Mehr

Der im Artikel erwähnte spanische Regisseur Carlos Saura ist vor zwei Tagen 75 geworden. Über seinen überwältigenden Flamenco-Film „Carmen“ mit Antonio Gades und Laura del Sol schrieb man:


A.Gades, L. del Sol

„Choreograf Antonio bereitet mit seiner Truppe eine Tanz-Variante von Georges Bizets berühmter Oper "Carmen" vor. Dabei sucht er natürlich die Idealbesetzung für die Hauptrolle. Als er mit der hübschen Carmen die optimale Darstellerin findet, verliebt sich Antonio in sie. Es kommt wie es kommen musste: Die Tragödie der Oper wiederholt sich innerhalb der Tanzgruppe. In Antonios Alltags- und Arbeitswelt vermischen sich Bühnengeschehen und Wirklichkeit immer mehr, die Liebe wird durch Eifersucht und Hass zerstört...
Mit dieser Flamenco-Ballett-Version der bekannten Bizet-Oper um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht erntete Carlos Saura auch international viel Lob. Dieses Werk, in dem Wirklichkeit und Fiktion, Innen- und Bühnenwelt ineinander fließen, war nach "Bluthochzeit" die zweite Zusammenarbeit zwischen Saura und Antonio Gades, dessen brillante Choreographie wesentlich zum Gelingen des Films beiträg. Neben der Musik der Opernvorlage erklingt packender Flamenco aus der Feder des Gitarristen Paco de Lucia.“ Quelle
 „Auf mehreren Ebenen vollzieht der Film eine ebenso intelligente wie sinnlich-poetische Analyse der „Carmen„-Motive, erforscht ihre aktuelle Bedeutung ebenso wie ihre mythische Zeitlosigkeit. Sauras Bearbeitung unterscheidet sich von konventionellen Adaptionen vor allem dadurch, daß sie den Prozeß der Bearbeitung selbst zum Thema macht und den Verbindungslinien zwischen Kunst und Leben nachspürt. Brillant gestaltete Tanzszenen und eine mitreißende Musikbegleitung von Paco de Lucia, der Bizets Kompositionen auf ihre Wurzeln in der spanischen Volkskultur zurückführt." Quelle

Filmausschnitt einer Flamencoübung in „Carmen“ unter Leitung von A. Gades:

Antonio Gades (1936-2004) Homepage und der Welt - Artikel über ihn.

5. Januar 2007

Wein, Kabale und Erotik

"Trinke Wein! Dies ist das ewige Leben! All das wird dir durch die Jugend zu teil werden. Es ist die Zeit für Wein, Rosen und trunkene Freuden! Erfreue dich an diesem Augenblick, dieser Augenblick ist dein Leben!"

- so wendete sich Olivier Martinez an Diane Lane im Film "Untreu". Wozu es später (ver)führte, erfährt man, wenn man sich den Film weiter anschaut...

Bloß der Geruch vom Wein in einer bestimmten Atmosphäre, der Geschmack von ihm an den Lippen der Geliebten ist etwas, was betrunkener macht, als der Genuss von ihm selbst. Ich vertrage Alkohol leider gar nicht, so dass maximal ein-zwei Schlücke davon meinen Hals entlang gleiten können...


Friedrich Schiller vermochte es, in seinen jungen Jahren die Lust am Wein zu entdecken, aber auch seine Gefühle.
"Schiller schrieb im thüringischen Bauerbach "Kabale und Liebe." In dem Drama geht es um die Liebe eines Präsidentensohnes zu einer bürgerlichen Musiker-Tochter. Auch Friedrich Schiller war zu dieser Zeit verliebt. Das merkt man seinem Werk deutlich an. 1782/83 - Schiller war 23 - entflammte er nämlich für die 16-jährige Charlotte von Wolzogen, die als wunderschön, blond, keck, zierlich und sogar engelsgleich beschrieben wurde. Er denkt an Heirat. Nicht zuletzt aus Standesgründen wurden gleich zwei seiner Heiratsanträge ausgeschlagen. Schiller nutzte Charlotte als Vorbild für seine Luise Millerin in "Kabale und Liebe". Schließlich macht er sich nach Mannheim auf, ohne Charlotte Lebewohl zu sagen. Er zieht die Dichtung einem Mädchen vor." Über Kabale und Liebe
Das Essen und Trinken wurden oft mit der Sexualität in Verbindung gebracht, wie es in der frühgriechischen, besonders iambischen Dichtung der Fall war:
"Die metaphorische Umschreibung von Sexualhandlungen oder Sexualorganen mit Hilfe von Nahrungsmitteln oder Essenshandlungen, wie das in der alten Komödie durchaus beliebt scheint, ist schon in der frühgriechischen Lyrik mehrfach zu belegen. (...)
Wein und Weingenuß können daher so unverfängliche wie eindeutge Symbole einer erotischen Szenerie sein wie bei Sappho fr. 2,13 ff. Voigt/L.-P., wo Kypris in einem Lied als Weinschenkin berufen wird. Auch bei Hipponax fr. 22 Degani bereitet das gegenseitige Zutrinken von Mann und Frau aus dem ,Melkgefäß‘, nachdem der pa›w zuvor (fr.21) den Becher zerbrochen hatte, ohne Zweifel den erotischen Fortgang des Zusammenseins vor – wobei eben das Trinkgefäß derSzene doch einen vulgären Ton verleihen mag. Und eindeutig ist auch die Aufforderung Anakreons an ein Mädchen (fr. 44 PMG), seine Gastfreundschaft auch ihm zukommen zu lassen, auch ihn, den Dürstenden, trinken zu lassen.(…) Wieder ist es der weibliche Partner, der die ,bewirtende‘ Rolle spielt oder spielen soll, wie das wohl meistens impliziert ist, wenn Essen als Bildgeber für Sexualität oder den Sexualakt verwendet wird. Allein die bloße Bezeichnung des weiblichen Sexualorgans mit einer Speise (Seeigel, Feige) läßt die Rolle des Mannes als aktiv, die der Frau als passiv verstehen oder unterstreicht zumindest den Objektstatus der Frau.
In klassischer Zeit, darauf weist Foucault hin, hat die Körperlichkeit, die Essen und Sexualität auszeichnet, insbesondere zu einer analogen moralischen Problematisierung geführt. Essen und Sexualität gehören zu den die Menschen mit den Tieren verbindenden Aktivitäten, und die sich aus ihnen ergebenden Lustempfindungen bergen „in dem verweilenden Schwelgen“, wie Aristoteles etwa sagt, die Gefahr der ,Zuchtlosigkeit‘ in sich: „Dies aberwird sowohl beim Essen als auch beim Trinken als auch bei der Liebeslust ganz durch den Tastsinn vermittelt.“ Mehr
"Es ist kein Sex..., es ist Liebe...", - heißt es auf Russisch in diesem Werbeclip zum alkoholischen Getränk Tekiza.


Nun beende ich es wieder mit dem unübertreffenden E. Fried zur Lust, wenn auch ohne Wein:

Zwischenspiel
Und wenn mein Zeigefinger
schon nass ist von dir
mir noch Zeit nehmen
und mit seiner Kuppe
auf deinen Bauch
ein Herz malen
so dass dein Nabel
mitten im Herzen die Stelle ist
wo angeblich Amors Pfeil
das Herz durchbohrt hat
und dann erst
wenn du erraten hast
dass es ein Herz war
was ich auf dich gezeichnet habe
...