30. September 2007

Hören, Fühlen, Tanzen

In Fortsetzung zum Tango:

"The Tango is a direct expression
of something, that poets have
often tried to state in words:
the belief that a fight
may be a celebration"
(Jorge Luis Borges)

"The soul is not really united
unless all the bodily energies,
all the limbs of the body,
are united."
(Martin Buber)
Link

Der Ausschnitt aus dem Spielfilm "The Tango Lesson" (1997), in dem die Wirklichkeit und die Fantasie in einander übergreifen, ohne dass der Zuschauer es versteht und unterscheiden kann.



Die Bessere Qualität des "Libertangos" ist hier zu finden. Oder auch "der" Auftritt von Oksana Grishuk und Evgenij Platov auf dem Eis zu dieser Musik im Eistanzen. (Einige meiner Lieblingsvideos)

Ein anderes Musikvideo zur Musik von Gotan Project:
"Santa Maria"

Unruhe

Rose Ausländer (1901-1988)

Wir werden uns wiederfinden
im See
du als Wasser
ich als Lotusblume

Du wirst mich tragen
ich werde dich trinken

Wir werden uns angehören
vor aller Augen

Sogar die Sterne
werden sich wundern:

hier haben sich zwei
zurückverwandelt
in ihren Traum
der sie erwählte.


Kurt Tucholsky (1890-1935)

Augen in der Großstadt

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück ...
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden ...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider;
was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück ...
vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber ...

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

(1930)


Erich Fried (1921-1988)

Vielleicht

Ich müßte vielleicht
an den Kuß
von dir
gar nicht denken

Aber ich roch dabei
den Duft deiner Haare
und deiner Haut
und an den muß ich denken

An den Duft deiner Haare
und deiner Haut
müßte ich vielleicht
gar nicht denken

Aber ich spürte dabei
dein Einatmen und
dein Ausatmen
und an das muß ich denken

An dein Einatmen und
dein Ausatmen
müßte ich vielleicht
gar nicht denken

Aber ich sah dabei
deine Augen
ganz nahe
An die muß ich denken

Und wenn ich
den Duft deiner Haare
und deiner Haut
nicht gerochen hätte

Und wenn ich
dein Einatmen und
dein Ausatmen
nicht gespürt hätte

Und wenn ich
deine Augen
nicht ganz nahe
gesehen hätte

Dann müßte ich
vielleicht doch denken
an diesen Kuß
von dir


Erich Fried

Antwort auf einen Brief

Ich lese das
was du schreibst
von deinen schlechten Eigenschaften

Gut schreibst du
aber das kann mich
nicht trösten darüber
dass alle diese
deine schlechten Eigenschaften
so weit weg sind von mir
denn ich will sie
ganz nahe haben

Und wenn ich versuche
einzeln an sie zu denken
- deine schlechten Eigenschaften, wie du
sie aufgezählt hast -
dann wird mir bang
und ich finde
ich muss mich zusammenreißen
damit meine guten
deine schlechten
noch halbwegs wert sind

28. September 2007

The best cigarette

Billy Collins

The Best Cigarette
There are many that I miss
having sent my last one out a car window
sparking along the road one night, years ago.

The heralded one, of course:

after sex, the two glowing tips
now the lights of a single ship;
at the end of a long dinner
with more wine to come
and a smoke ring coasting into the chandelier;
or on a white beach,
holding one with fingers still wet from a swim.

How bittersweet these punctuations
of flame and gesture;
but the best were on those mornings
when I would have a little something going
in the typewriter,
the sun bright in the windows,
maybe some Berlioz on in the background.
I would go into the kitchen for coffee
and on the way back to the page,
curled in its roller,
I would light one up and feel
its dry rush mix with the dark taste of coffee.

Then I would be my own locomotive,
trailing behind me as I returned to work
little puffs of smoke,
indicators of progress,
signs of industry and thought,
the signal that told the nineteenth century
it was moving forward.
That was the best cigarette,
when I would steam into the study
full of vaporous hope
and stand there,
the big headlamp of my face
pointed down at all the words in parallel lines.

Billy Collins
Man machte es mir nicht so leicht, als man mir dieses Video zeigte. Nicht, weil ich eine Raucherin wäre, nein. Ich bin es nicht, ich bin es fast gewesen durch den Rauch der Anderen, der bestimmten Anderen, den ich einatmete... Es wurde schwer, da ich auf einmal fühlte, wie sehr ich diesen Geruch, vielleicht nur für einen Moment, spüren wollte. Es brauchte eine Weile, um den Wunsch hinter mir zu lassen. Ich bin fast verliebt in die Stimme dieses Autors. Bin ich es wirklich? Weiß ich überhaupt, was Verliebtsein bedeutet? Liebe? Vielleicht... Vielleicht nicht. Werde ich es je erkennen? Vielleicht bin ich erst auf dem Weg dahin, mich fallen zu lassen, auf dem Weg zu vielem, um es endlich zu begreifen und wieder zu spüren, um überhaupt zu spüren... Kann ich es noch überhaupt? Vielleicht werde ich es auch nie schaffen, weil es immer irgendwelche "wenn" und "aber" geben wird, die es unmöglich machen werden. Ich versuche diese bestimmten Gefühls-Worte in meinem wirklichen Leben viel weniger zu benutzen, um ihre Bedeutung nicht zu verlieren. Für mich. Damit sie nicht wie Rauch in der nächsten Sekunde verschwinden...

Ich fand einen vor kurzem erschienen Artikel über B. Collins, seine Kunst und die neue Entwicklung in der zeitgenössischen Lyrik:

"(...)Was immer man von seinem Werk hält, die filmische Umsetzung ist meisterhaft: Collins zeigt, wie attraktiv Lyrik inszeniert werden kann: unverstaubt, modern, als sprachmächtiger Gegenpart zur verrückten Bilderwelt unserer audiovisuellen Unterhaltungskultur.

Das Talent des Dichters, Bilder zu assoziieren, ist sogar dem Algorithmus überlegen, der bei YouTube automatisch Videos gruppiert. Wie Robert Gernhardt scheut Collins vor leichten Themen nicht zurück: Mit "The Best Cigarette" bringt er etwa die Schönheit des Zigarettenrauchens eindrucksvoll auf den Begriff.


Die goldenen Punkte der postkoitalen Zigaretten werden zu einem Schiff auf dem nächtlichen Ozean, ein Frauengesicht taucht im Nikotinnebel auf - die bewusstseinserweiternde Droge öffnet Pforten der Wahrnehmung: Tabak als Treibstoff, der Dichter als qualmende Lokomotive.(...)"
weiter lesen

In dem oben genannten Artikel kann man sich weitere Gedichte ansehen, anhören, sie in sich durchdringen lassen, "Budapest" oder "Forgetfullness". Mehr von der Action-Poesie von B. Collins:
Mehr über den Rauch ist in diesem Blog auch hier und hier zu lesen.

Goodbye My Lover

James Blunt "Goodbye My Lover"


Goodbye My Lover

Did I disappoint you or let you down?
Should I be feeling guilty or let the judges frown?
'Cause I saw the end before we'd begun,
Yes I saw you were blinded and I knew I had won.
So I took what's mine by eternal right.
Took your soul out into the night.
It may be over but it won't stop there,
I am here for you if you'd only care.
You touched my heart you touched my soul.
You changed my life and all my goals.
And love is blind and that I knew when,
My heart was blinded by you.
I've kissed your lips and held your head.
Shared your dreams and shared your bed.
I know you well, I know your smell.
I've been addicted to you.

Goodbye my lover.
Goodbye my friend.
You have been the one.
You have been the one for me.

I am a dreamer but when I wake,
You can't break my spirit - it's my dreams you take.
And as you move on, remember me,
Remember us and all we used to be
I've seen you cry, I've seen you smile.
I've watched you sleeping for a while.
I'd be the father of your child.
I'd spend a lifetime with you.
I know your fears and you know mine.
We've had our doubts but now we're fine,
And I love you, I swear that's true.
I cannot live without you.

Goodbye my lover.
Goodbye my friend.
You have been the one.
You have been the one for me.

And I still hold your hand in mine.
In mine when I'm asleep.
And I will bare my soul in time,
When I'm kneeling at your feet.
Goodbye my lover.
Goodbye my friend.
You have been the one.
You have been the one for me.
I'm so hollow, baby, I'm so hollow.
I'm so, I'm so, I'm so hollow.

Emily Dickinson

Emily Dickinson (1830-1886) Bio

It’s all I have to bring today

It’s all I have to bring today –
This, and my heart beside –
This, and my heart, and all the fields –
And all the meadows wide –
Be sure you count – should I forget
Some one the sum could tell –
This, and my heart, and all the Bees
Which in the Clover dwell.


I GAVE myself to him

I GAVE myself to him,
And took himself for pay.
The solemn contract of a life

Was ratified this way.

The wealth might disappoint,
Myself a poorer prove
Than this great purchaser suspect,
The daily own of Love

Depreciate the vision;
But, till the merchant buy,
Still fable, in the isles of spice,

The subtle cargoes lie.

At least, ’t is mutual risk,—
Some found it mutual gain;
Sweet debt of Life,—each night to owe,

Insolvent, every noon.



"Metaphysische Lyrik
Gedichtband "Sommerdiebe" von Emily Dickinson
Rezensiert von Katharina Döbler

Zu ihren Lebzeiten hat die amerikanische Dichterin Emily Dickinson nur sieben Gedichte veröffentlicht. Erst nach ihrem Tod wurde ein Großteil ihrer Gedichte, mehr als 1700, entdeckt. In ihrer Lyrik streift Dickinson Grundfragen der Existenz wie Tod und Entsagung. Ihre Gedichte sind so modern und formal offen, dass die jetzt erschienene deutsche Übersetzung eher hausbacken und unbeholfen klingt.

Emily Dickinson ist eine der seltsamsten Dichterinnen der Weltliteratur. Ihr ganzes Leben (1830 bis 1886) verbrachte sie im Haus ihres Vaters in Amherst/Massachusetts. Sie wurde puritanisch-fromm erzogen, lebte äußerst zurückgezogen und schrieb ein umfangreiches und vielschichtiges lyrisches Werk nur für die Schublade: eine menschenscheue, stets in weiß gekleidete kleine Frau, die kaum einer kannte.

Zu ihren Lebzeiten erschienen gerade einmal sieben Gedichte; aber sie pflegte ihren Freunden welche zu schicken, Briefen beigelegt. Nach ihrem Tod fand man vierzig selbstgebundene Büchlein mit Gedichten. Die aktuelle Zählung, nach der letztgültigen Herausgabe ihres Werks kommt auf etwa 1788. Diese Zahl bleibt ein wenig im Ungefähren, da zahlreiche Fragmente existieren, verschiedene Fassungen, Entwürfe.

Und was die einsame Dame in Massachusetts Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb, ist so modern und formal so offen, dass die Grenzen zwischen Notat und Gedicht nicht für jeden Forscher stets eindeutig waren.

Emily Dickinson zu lesen ist etwas Besonderes. Die deutsche Übersetzerin und Herausgeberin der aktuellen Ausgabe, Gunhild Kübler, spricht von einer "beinah körperlich spürbaren Intoxikation", die die Lektüre Dickinsons mit sich bringe. Der Eindruck ist stark und nachhaltig: Kaum ein Gedicht erschließt sich auf den ersten Blick und manches auch nicht nach dem zehnten.(...)" weiter

- Gedichte-Sammlung online

Beste Antworten

Ich wollte meinen Lieblings-Kritiker verlinken, seine Kolumne in der FAZ:

Fragen Sie Reich-Ranicki

Über Marcel Reich-Ranicki
- Ohne Berlin wäre ich wohl kein Kritiker
- Reich-Ranickis Ehrendoktor: Es schließt sich ein Kreis
- Deutsche Selbstbeehrung

Genießen

Wieder ein Musik-Tipp. Bossa Nova und Jazz.
"Soul Espanol" von Oscar Peterson. Ich kann nicht genug Worte finden, um zu beschreiben, welches Gefühl mich überkam, als ich einige Musikstücke, gespielt von der kanadischen Jazz-Legende Oscar Peterson, von dieser CD gehört habe.
Diejenigen, die mich sofort wie verzaubert hatten: Manha de Carnaval; How Insensitive; Meditation; Samba Sensitive. Ich stand mitten im Raum und konnte nichts weiter machen...

Eins der Musikstücke, die auch auf der CD vorhanden sind: "How Insensitive", hier im Video gesungen von Myrra Malmberg:



Dazu möchte man Augen schliessen...

19. September 2007

Trust me

Eine der schönsten Liebesszenen. Aus dem Film "40 Tage - 40 Nächte". Einander nicht berühren...

Musik: Dee Joy "Trust Me"

Diebesgut

* * *
Erwacht von seiner Berührung,
Gezittert unter seiner Hand.
Wo verließ ihre Spur die Zunge
Und wo verlorest du den Verstand.


* * *
Was war gestern? Ich war Gestern.
Heute ist sie für dich Heute.
Morgen bin ich wieder für dich Morgen.
Und übermorgen …
Dann wird Morgen mit ihr zum Gestern mit mir.


* * *
Vergisst du schnell?
Nach jedem Blick und Kuss.
Und ihre Lippen wartend
Nach jedem Biss und Schluck.



Wein

Was bleibt mir außer Vergessen.
Mich zu betrinken mit dem Wein,
Der mir nicht schmeckt, nur tröpfelt,
Wie heißer, widerlicher Schleim.

Der sich den Weg nach unten bahnt,
Ertrödelt, bis er ankommt und bleibt
Still auf dem Hof des Lebens,
Bis er in Nähe seines Endes schleicht.


Diebesgut

Ich sah dich oft, als du schon schliefest.
Jeden der Atemzüge lernt’ ich fast.
Um nur für mich es zu behalten,
Wenn du mich nun verlassen darfst.

Wenn eine andere dein Herz berührte
Mit Freude, Glück und Glanzes Macht.
Deinen Geruch und Kraft des Stosses
Stahl ich ihr oft in meine helle Nacht.


September 2007

Herbst

Wenn der Herbst seinen Weg antritt, wird mein Herz traurig. Blätter werden gelb, rot, sie hatten ein langes sommerliches Leben, grün und glücklich. Vielleicht auch nicht so grün, auch nicht so glücklich. Vielleicht gab es Krankheiten, die ihre Narben am Körper des Blattes hinterlassen haben. Vielleicht gab es Kriege, deren stumme Zeugen Blätter geworden oder gewaltsam rausgeworfen waren und nur ihre Teile verblieben. Es blieb ein verletzter Teil, und er erhielt sich weiter kraftvoll am Leben. Aber irgendwann kommt der Herbst und das Blatt fällt runter. Es fällt, aber im Frühjahr kommt ein neues, und so wiederholt es sich von Generation zu Generation.


Mein Kopf dröhnt.
Schwarz war die Farbe dieses Tages.
Unruhig ist die Stimme des Herzens.
Es weint um deinen Vater,
Es weint um dich, dass du es nicht kannst.

Ich bin aber da, ich fange dich auf.
Ich fange dich in deiner Trauer auf.
Falle erschöpft, weine, schreie.
Und breite meine Flügel um dich aus.
Schlaf ein, ich wache über deinen Schlaf.

Dein Sohn. Er ist dein Ebenbild.
Was für ein Gefühl ist es, ihn so lange
Verborgen in deinem Herzen zu lieben,
Dich nach ihm zu sehnen, ohne ihn je zu sehen.
Nun stand er da. Dein Spiegelbild, ein 11-jähriger Junge
Mit grossen Augen seinen Vater zum ersten Mal sehend.
Ich weinte, dass ihr euch endlich gefunden habt.
Noch nie habe ich im Zustand unbeschreiblicher Traurigkeit
Solch Wunder des menschlichen Glücks im Unglück erlebt.


Bild von mir: Sonnenuntergang am Nordsee in Belgien

Air

J- S. Bach, Air (Orchestral Suite No.3, BWV.1068)

August Dichtung

Fang

Wie verloren Nacht sternohne,
Und du kommst zu mir wortkarg.
Mit dem Blick entziehst der Stille
Sanftheit meiner blassen Haut.
Zartheit meiner Fingerkuppen,
Die dich streicheln durch die Luft.
Ich bin in der Lust gefangen,
Ist es möglich Dich zu lieben?
Nein… Geh fort. Schick keinen Kuss.


* * *

Wenn du verschwinden wirst,
Nimm mich auch mit.
Den lahmen Teil von mir,
Der ohne dich nicht lebt.

Ich wurde dir verschrieben.
Nicht auf ewig, nur auf des Atmens Zeit.
Wirst du Gesichter meine in denjenigen erkennen,
Die du in deinen Tagen weiter küssen darfst?


Fünf

Zähl bis fünf, ich werde kommen.
Eins - ich sehe Regen,
Gehe trotzdem zu dem Bus.
Zwei Betrunkene an Haltestelle
Flirten. Mit mir? Ja.
Ich trage kurz, bin selbst dran Schuld.
Drei Uhr nachts – Verschließ die Tür
Nicht vorm Schlafengehen.
Ich komm rauf, leg mich in Wärme hin.
Vier Sekunden wirst du brauchen,
Nur um meinen Nacken zu berührn.
Fünf, um meine Bluse aufzuknöpfen.
Sechs Minuten, Stunden, Jahre -
Lieb, begehre mich.
Nein, ich gehe nicht zu dir.
Es ist mehr, als nur bis fünf zu zählen.
Und es regnet.
Ich bleib daher stehen.
Angezogen bleib ich hier.


* * *

Tropfen Schwarz fällt auf Papier.
Dunkle Silhouette
Steht, gelehnt an eine Tür,
Ohne Zeit.
In einem der Momente
Frage ich: „Lebst du?“
Schweigen.
„Bist du tot?“ - fragt sie zurück.
Nein, ich bin lebendig.
Jetzt und hier, nur Herz ist tot.
Tot? Nein, eingefroren. Eisern
Eingefroren? Nein, taut auf,
Blut läuft.

August 2007


Wieso

Wieso möchtest du mich sehen,
Wozu träumen ohne Grund?
Fehlt dir etwas an der Liebe,
Die ihr Herz dir nicht mehr bringt?

Schalt das Blut in deinem Herzen,
Schalt es aus und wieder ein.
Kehr jetzt zu der Zeit der Ruhe,
Ich gehör nicht hin, bin Gast.

September 2007

3. September 2007

Adagio

Adagio g-Moll des italienischen Komponisten Tomasso Albinoni anders:

Yngwie Malmsteen (geb. 1963, Schweden) spielt live in Japan, 1985



Lara Fabian live (Übersetzung des Liedes auf Englisch)


2. September 2007

Pablo Neruda

Er berührt mich mit jedem Gedicht...

Pablo Neruda (1904-1973)
"Ja, ich liebe sie nicht mehr, doch wie liebte ich sie, damals. Zum Wind wurd meine Stimme, um ihr Ohr zu berühren ... Ja, ich liebe sie nicht, oder liebe ich sie noch immer? So kurz dauert die Liebe und so lang das Vergessen." Me arranca el alma ...

Deine Hände
Wenn deine Hände, Liebe,
meinen entgegenkommen,
was bringen sie mir, fliegend?
Warum hielten sie plötzlich
inne auf meinem Mund?
Wie erkenne ich sie,
als hätte ich sie damals,
früher schon mal berührt,
und als wären sie früher,
ehe sie selber waren,
mir schon über die Stirne,
über die Hüfte gestreift?
Ihre Sanftheit kam her,
fliegend über die Zeit,
über das Meer, den Rauch,
über den Frühling flügelnd,
und als du deine Hände
mir auf die Brust gelegt,
erkannte ich die Flügel
der goldfiedrigen Taube,
erkannte ich die Kreide
und die Farbe von Weizen.
Mein ganzes Leben habe
ich nach ihnen gesucht.
Treppen stieg ich empor,
ging über Pflasterstraßen,
Züge trugen mich fort,
Wasser brachten mich her,
und auf der Haut der Trauben
meinte ich dich zu fühlen.
Das Holz gab unversehens
mir Berührung mit dir,
und die Mandel verhieß mir
deine heimliche Sanftheit,
bis deine Hände sich
schlossen auf meiner Brust,
um hier nun wie zwei Flügel
zu beenden die Reise.



Gedicht XV
Mir gefällt´s, wenn du schweigst, als
wärst du in der Ferne.
Du hörst mich dann, als käme mein Wort weither geflossen.
Deine Augen, so scheint es, sind heimlich fortgeflogen,
und ein Kuß hat, so scheint es, dir deinen Mund verschlossen.
Weil jedes Ding erfüllt ist vom Leben
meiner Seele,
tauchst du auf aus den Dingen, erfüllt von meinem Wesen.
Ein Falter wie aus Träumen, ähnelst du meiner Seele,
und das Bild deines Daseins läßt das Wort Schwermut lesen.
Mir gefällt´s, wenn du schweigst, als
wärst du nicht zugegen.
Du bist dann wie ein Falter, weinend, daß man dich wiege.
Und du hörst mich von weitem, kein Laut kann dich berühren:
Laß drum, daß jetzt mein Schweigen in deinem Schweigen liege.
Laß, daß ich zu dir rede mit deinem
eigenen Schweigen,
klar wie die stille Lampe, schlicht wie ein Fingerring.
Wie Nachtluft bist du, lautlos, von Lichtern überfunkelt.
Du schweigst mit Sternestille, ein fernes, kleines Ding.
Du gefällst mir im Schweigen, denn da bist
du wie ferne.
Entrückt, von Schmerz gezeichnet, als längst du schon im Grabe.
Es genügt mir ein Wort dann, ein Lächeln nur, ein kleines.
Und ich bin fröhlich, fröhlich, daß ich dich bei mir habe.


Dich so viele Tage, ach so viele Tage
so sicher und so nah zu sehn,
wie vergelte ich ´s, womit bezahle ich´s?

Der blutdürstende Frühling
der Wälder erwachte,
die Füchse kommen aus ihren Höhlen hervor,
die Schlangen trinken Tau,
und ich gehe mit dir durchs Laubwerk,
zwischen Pinien und Schweigen,
und ich frage mich, wie und wann
ich zahlen muß für dieses Glück.

Von allem, was ich sah,
dich will ich weiterhin sehn,
von allem, was ich berührte,
nur deine Haut will ich weiter berühren:
ich liebe dein Orangenlachen,
du gefällst mir im Schlaf.

Was soll ich machen, Liebe, Geliebte,
ich weiß nicht, wie die übrigen lieben,
ich weiß nicht, wie man sich früher liebte,
ich lebe, indem ich dich sehe, dich liebe,
ganz einfach verliebt.
Du gefällst mir jeden Abend mehr.

Wo magst du sein? werde ich fragen,
wenn deine Augen verschwinden.
Wie lange säumt sie! denk ich und kränke mich.
Ich fühle mich armselig, traurig und dumm,
und kommst du, bist du ein Windstoß,
der her von den Pfirsichen weht.

Darum liebe ich dich und auch nicht darum,
wegen so vieler Dinge und so weniger,
und so soll die Liebe sein
halb abgeschlossen und allgemein,
eigen und schrecklich,
mit fliegendem Banner und in Trauer,
blühend wie die Sterne
und maßlos wie ein Kuß.



Wenn du mich vergißt
Ich möcht, daß du
eines weißt.
Du weißt ja, wie das ist:
Betrachte ich
den kristallenen Mond, den roten Zweig
des säumigen Herbstes an meinem Fenster,
berühre ich
beim Feuer
die ungreifbare Asche
oder die runzligen Körper des Holzes,
bringt mich das alles zu dir,
als wäre alles, was da ist,
Düfte, Licht, Metalle,
nichts andres als ein Schwarm kleiner Schiffe,
hinsegelnd zu deinen Inseln, die mich erwarten.
Nun aber,
wenn du allmählich aufhörst, mich zu lieben,
werde ich aufhören, dich zu lieben, allmählich.
Wenn du auf einmal
mich vergißt,
suche nicht nach mir,
denn ich werde dich schon vergessen haben.
Scheint er dir lang und irre lodernd,
der Fahnenwind,
der mein Leben durchweht,
und entscheidest du dich,
mich auszusetzen am Rand
des Herzens, in dem ich verwurzelt bin,
so bedenke,
daß am selben Tag,
zur selben Stunde,
ich die Arme erhebe
und meine Wurzeln sich aufmachen,
einen anderen Boden zu suchen.
Doch wenn du
jeden Tag,
jede Stunde
empfindest, daß du für mich bestimmt bist,
mit unverrückbarer Süße,
wenn jeden Tag
eine Blüte aufsprießt zu deinen Lippen, um mich zu suchen,
ach, meine Liebe, ach, Meine,
so wiederholt sich in mir all dies Feuer,
und nichts erlischt in mir, nichts wird vergessen,
meine Liebe nährt sich von deiner Liebe, Geliebte,
und solange du lebst, wird sie in deinen Armen sein,
ohne die meinen zu verlassen.

Umbrella

Das Lied von Rihanna "Under my umbrella" mag ich. Es anhören kann man hier.