1. November 2007

Herbstlich

Wieder ist es Zeit für "Autumn leaves". Erneut möchte ich gar nicht, dass der Herbst seine Macht hier weiter ausbreitet und den Winter herbeiruft. Es gibt aber keine andere Wahl, als wieder auf den geliebten, süssen, leichtsinnigen, unerklärlichen Frühling zu warten...

"Herbst? Warum nicht"

"Mit diesen Worten aus einem Brief Rilkes an seine Frau Clara beginnt der Band "Rilke Herbst", welcher Anfang September im Insel Verlag erschienen ist. Rilke macht Lust auf den Herbst...(...) auch mit seinen vielen Briefen. So führt er seinen Brief an Clara weiter:
"denn ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling, der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen." Link

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Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
(R-M Rilke (1875-1926)


Ich zähle die Regentropfen an den Zweigen,
sie glänzen, aber sie fallen nicht,
schimmernde Schnüre von Tropfen
an den kahlen Zweigen.
Die Wiese sieht mich an
mit großen Augen aus Wasser.
Die goldgrünen Weidenkätzchen
haben ein triefendes Fell.
Keine Biene besucht sie.
Ich will sie einladen
sich an meinem Ofen zu trocknen.
Ich sitze auf einem Berg
und habe alles,
das Dach und die Wände,
das Bett und den Tisch,
den heißen Regen im Badezimmer
und den Ofen mit löwenfarbener Mähne,
der atmet wie ein Tier
oder ein Mitmensch.
Und die Postfrau
die den Brief bringen würde
auf meinen Berg.
Aber die Weidenkätzchen
treten nicht ein
und der Brief kommt nicht,
denn die Regentropfen
wollen sich nicht zählen lassen.
(Hilde Domin (1909-2006))

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