27. Dezember 2014

Sie weinte und lachte und sprach...

Vor einem Jahr durfte ich zusammen mit zwei wundervollen Männern: dem Dichter Michael Starcke und dem Gitarristen Peter-Rainer Überbacher einen literarischen Salon zu Hause bei der Familie Jacobs eröffnen. Es war ein sehr schönes Ereignis, über welches ich damals hier berichtete. Der Salonabend wurde gefilmt und endlich erreichte mich das Ergebnis.

-- Verzeiht bitte nur die ein wenig schlechte Qualität, wenn es ausgerechnet um die kurzen Aufnahmen von uns geht, da die Lampe mich manchmal verunstaltet... Wir wurden ganz kurz gezeigt, aber nach einer sehr schönen Frage im Film. Mehr davon und vor allem auch endlich die Gedichte selbst gelesen folgt unter diesem Film in den kleinen Videoausschnitten. Ich war verwundert, wie man selbst es nur schafft, innerhalb eines Abends Emotionen eines ganzen Lebens einer Frau darzubieten und zwar abwechselnd zwischen Schmerz, Träumen, Hoffnung und Traurigkeit... Danach hat man zwar keine Kraft mehr, aber das Innere - die Hingabe - ist hier verewigt. Danke an Renate für ihre Idee und ihr warmes Haus und Herz und danke an den wunderbaren Dichterfreund Michael Starcke und die zarte Musik von Peter-Rainer, die mich heute unweigerlich daran erinnerte, als ob wieder in der Sowjetunion am Silvester gewesen zu sein, im Film und der Musik von "Ironie des Schicksals" oder  "Ironija sudby ili s legkim parom".  

Genießt es... 




Die Salon-Auschnitte mit vielen Gedichten, die ich darin vorlese...





Wunderschöne Musik






... und Paar Gefühle in einem ganz normalen Bild-Format (zum Vergrößern anklicken)













Großen Dank an Hannah fürs Filmen!


 Mehr Gelesenes von mir:

26. Dezember 2014

Insensatez

Nova "Insensatez"


Mariza & Iván "Melón" Lewis "Insensatez"


"Insensatez" ("Foolishness" or "Folly"), 1961
Musik: Tom Jobim, Worte: Vinicius de Moraes

Ah, foolishness
What have you done
Such a reckless heart
You made cry from pain
Your love
Such a delicate love
Ah, why were you
So weak that way
In such a soulless way
Ah, my heart
That never loved
Doesn’t deserve to be loved
Go on, my heart
Listen to reason
Use only sincerity
He who sows wind
So says reason
Always reaps storms
Go on, my heart
Plead forgiveness
Forgiveness, in love
Go on
Because he who doesn’t plead forgiveness
Is never forgiven

[Quelle


Es gibt eine englische Version des Liedes, mit einem ganz anderen Text... "How insensitive". Vor einigen Jahren hat es mir ziemlich angetan... Hier.

5. Dezember 2014

Ohne Namen

Obsessiv

Mit deinen Lippen öffnest Grenzen,
In welche ich gewiesen bin.
Wie tätowiert  erwachen Träume
Auf meiner Haut,  in meinen Fasern,
Von meinen Schultern, wilden Wellen,
Zu deinen Knochen an den Händen.
Durch eine Lücke, eine kleine, in deinem Mund
Zwischen den Zähnen, fließen die Sterne -
Harte Körper -
In mich, mit einer ungewohnten Wärme.

Von deinem Himmel bis an meine Gräser.


03. - 04. Dezember 2014




Weitere Obsessionen sind im folgenden Lied zu hören...
Banks "Stick" (lyrics)

"“Stick” is a song off of Bank’s debut LP, Goddess. It’s a love song centered on lustful obsession.
As Banks described in one interview:

"Sometimes you need a growl. You need a heavy atmosphere. There’s no separation between electronic music and acoustic music. It’s all one thing. Each song has its own heartbeat. Each song has its own soul. The song: "Stick"? That needed to be chunky and sexy. It’s human. It’s human to be the girl in “Stick” and feel spicy as heck." Quelle

Danke an jemanden für das Lied und die Inspiration...

Ob es Liebe ist, fragen sich die beiden in "New York, I Love You". Bradley Cooper ist einer von denen...

Zarte Dunkelheit

Die Sonne küsste das Gewitter,
Des Himmels zarte Dunkelheit.
Ich roch die Nacht
In ihrer mehrenden Verzückung,
Von deinem Hemd in meiner Hand.

4. Dezember 2014



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons



"Kiss" von See-ming Lee from Hong Kong SAR, China [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons


Angekettet

* * *
Der Winter hat blaue Augen,
Sie umarmen mich zu Tode.
Der Winter mit den eisigen Klauen
Kettet an, an die Herzens Hölle.

Es gibt keine Brücke, die rettet.
Den Rückwärtsgang aus den Nöten.
Wie das Laub verlier ich die Jahre
Für das Glück, das ja nicht leugnet,
In der Liebe, die nicht nötigt.

25. November - 4. Dezember 2014 



Liann La Havas "Elusive" (lyrics)


Heute scheint der Vollmond ein Gast in meiner Küche zu sein, es ist sehr hell, wenn ich in der erwarteten Schwärze eine Teetasse zu ihrem Platz bringe. Ich verwandle mich nicht in einen Vogel und keinen Nachtschmetterling, auch wenn ich unglaublich gerne fliegen wollen würde. Fliegen. Aus dem Herbst zu dir.
Die Abende sind dunkel und das Licht fehlt. Es ist noch gar nicht richtig kalt, aber morgens, wenn man sich in die Stadt halb im Schlaf bewegt, frostet es ein wenig. Mir ist es kalt. Oder wenn die Bahn direkt in den Nebel über dem Rhein reinfährt und wieder aus dem milchigen Kokon rausschlüpft, verbreitet sie die Melancholie. Das Mysterium und die Blätter unter den Schuhen knistern. Will sie wieder an die Bäume kleben und färben. Mit Gewalt festhalten. Die Wärme. Die Wärme anzünden. Du auch? Nimm mich mit Gewalt aus der Einsamkeit des Herbstes. Dann kommt die Zeit, die richtige Zeit für alles. Das darfst du. 

November 2014


Auch wunderschön von der Sängerin:

4. Dezember 2014

Outer Space

... Faszination Weltraum. Ich freue mich auf diese Ausstellung in Bonn, die noch bis zum 22. Februar offen sein wird.


Zwei Versuche

Peter Härtling (*1933, Chemnitz)

ZWEI VERSUCHE, MIT MEINEN KINDERN
ZU REDEN

I

Ich wollte dir erzählen,
mein Sohn,
im Zorn
über deine scheinbare
Gleichgültigkeit,
über die eingeredete
Fremde
zwischen uns,
wollte ich dir erzählen,
zum Beispiel,
von meinem Krieg,
von meinem Hunger,
von meiner Armut,
wie ich geschunden wurde,
wie ich nicht weiterwußte,
wollte dir
deine Unkenntnis
vorwerfen,
deinen Frieden. .
deine Sattheit,
deinen Wohlstand,
die auch
die meinen sind,
und während ich schon
redete,
dich mit Erinnerung
prügelte,
begriff ich, daß
ich dir nichts beibrächte
als Haß und Angst,
Neid und Enge,
Feigheit und Mord.
Meine Erinnerung ist
nicht die deine.
Wie soll ich
dir das Unverständliche erklären?
So reden wir
über Dinge,
die wir kennen.
Nur wünsche ich
insgeheim,
Sohn, daß du, Sohn,
deinem Sohn
deine Erinnerung
nicht verchweigen mußt,
daß du
einfach sagen kannst:
Mach es so
wie ich.
versuche
zu kämpfen,
zu leben,
zu lieben
wie ich,
Sohn.
 
II

Ich wollte dir erzählen,
meine Tochter,
von meiner ersten
Liebe,
von dem Schrecken
einer
fremden Haut,
von trockenen
suchenden
allmählich
feucht werdenden
Lippen,
vom Atem,
der einem
ausgeht,
von Wörtern,
die Luftwurzeln haben,
von der Sehnsucht,
für einen Augenblick
so zusammen
in der Mitte der Erde,
der Kugel Erde,
ruhen zu können,
der Kern,
um den alles
sich dreht.
Und am Ende.
Tochter,
roch ich unsern Schweiß,
die Mühe unserer
Liebe,
wie den von Fremden
und wußte.
daß Glück
so fremd riecht.
Du sollst es auch wissen,
Tochter.
 
[Quelle]

La terre outragée

Vor kurzem beeindruckte mich ein Film, den ich zufällig in einer abendlichen Müdigkeit auf arte erwischte. Ohne zu ahnen, worum es gehen würde, hörte ich auf einmal russische Sprache und danach wurde es mir klar. Ich gelang in meine Kindheit, in die Zeit, als alles Gefährliche noch gar nicht als solches erkennbar war. Ich konnte mich daran erinnern, dass mein Vater mir verboten hatte, damals im Frühling 1986, unter den Bäumen und Sträuchen zu spielen. Das Verstecken in den riesigen Büschen liebte ich aber so sehr und schlich mich trotzdem an das Ende unseres Gartens, um dort ganz klein unter den Blättern und Ästen zu verweilen, das Holz zu riechen...

Verwundete Erde. Ein so starker französischer Film, dass ich danach nicht mehr wusste, wo ich bin, warum und überhaupt. Die Hauptdarstellerin hieß natürlich Anja. Und die Regisseurin schien die überwältigende Kraft, welche z.B. Tarkowskij früher überbringen konnte, hier auf der Leinwand in meine Gefühle einzupflanzen. Ja, sie widmete sich dem schmerzhaften Thema, das auch mich nicht loslässt, was eine Heimat sei.



Auf arte selbst erfährt man ein wenig mehr über den Film (auch im Video am Anfang):
"Eindringliches Spielfilmdebüt der gebürtigen Israelin Michale Boganim: Die Katastrophe von Tschernobyl ist Ausgangspunkt für eine Geschichte, die weit über den konkreten Fall hinausgeht und zu einem kritischen Nachdenken über die Frage nach der Bindung an den Ort wird, der für Heimat und Verwurzelung steht. In den Hauptrollen: Olga Kurylenko und Andrzej Chyra." weiter lesen
Der Film wurde in der Tat an den Originalorten rund um Tschernobyl gedreht... (darüber lesen

Ich hatte auch die Möglichkeit, 1990 die Gegend zu besuchen, etwas entfernter vom Reaktor, als in einem Städtchen noch Menschen lebten, bevor man es zur toten Zone erklärte und alle Lebenden erst Jahre später nach dem Reaktorunglück endlich aussiedelte.... Da liegen meine Großeltern auf dem Friedhof in der toten, radioaktiven Zone. Da liegen paar Verwandte mehr in einem Massengrab des 2. Weltkrieges. Da hatte mein Vater seine ersten Schritte vor dem Krieg gemacht, meine Großeltern haben sich dort geliebt. Und jetzt wuchert die Radioaktivität ihre lebendigen Blüten hier. Es gibt einen bewegenden Bericht von jemanden, der die verlorene, bereits gestorbene, verseuchte Heimat meiner Familie besucht hatte: Poliske. Auf einem der Bilder ist das Mahnmal am Massengrab zu sehen, den ich eben erwähnte...

20. Oktober 2014

Vielleicht ist es die Liebe


von oben winzige punkte
Der neue Band von Michael Starcke

 
"Über den neuen Gedichtband schreibt der Autor Rainer Küster: "Diese Sammlung zeigt erneut, wie nah sich beide sind, die lyrischen Produkte des Dichters Michael Starcke und die Welt, in der er lebt und schreibt. Vorsichtig, manchmal zögernd in der Diktion, beschwört er Wirklichkeiten, die, kaum der Banalität des Alltags entronnen, mit sanfter Hand in metaphorische Spielräume überführt werden ... Starcke begreift seine Gedichte als „Leuchttürme in der Brandung“; mit dem Sprecher der Texte dürfen Leserinnen und Leser vertraute Räume und Zeiten durchschreiten. Nichts ist hier hermetisch verriegelt oder verrätselt, Starckes Sprache lädt vielmehr ein zum Dialog ... Wer so einfühlsam schreibt, liebt die Menschen, kennt aber auch die Abgründe ihrer Welten ..."Quelle

Vom Autor erhielt ich eine wunderschöne Leseprobe extra für Euch:

ein kleinod

rauscht man im auto
an wäldern vorbei
im nachmittagsdunst,
könnte man meinen,
sie wanderten,
ohne dass man sie
hinter sich lässt.

ebenso wie die ruinen,
die auf den bergen
trotzig
in den himmel ragen,
wiederkehrende kampfgedanken
veralteter ritterspiele.

vielleicht ist es die liebe,
die üppig und reif,
an einen augenblick
inneren friedens glaubt,
vom kupferlicht
gemünzt,
wie der vogelbeerbaum
ein kleinod
am straßenrand
aus zartem, müdem stoff.



 

manchmal möchtest du

manchmal möchtest du
niemand mehr sein
im herbst der welt,
eine lodernde flamme
über den köpfen,
ein hauch.

niemand möchtest du mehr sein
zwischen wachen und träumen,
ein schritt, der verklingt,
zusammengekrümmt
auf regennassem pflaster.



 

gehe ich in mich

alles steht und liegt
abschiedbereit
im spärlichen licht
verdrahteter lampen.

modrige gewölbe
und stille,
vergessene erinnerung,
erinnertes vergessen.

an gekälkter wand
hängen schwermut
und schmerz
wie spinnengeweb.
anlehnung sucht verrostet
mein kinderrad,
das alte möbel struktur.

halt finden meine füße
auf den gepflasterten steinen.
eingeschrieben ins dunkel
verharren glaube, zukunft,
der liebe ganzer trost.


von oben winzige punkte kann man hier bestellen.
 
Luigi Tenco "Mi sono innamorato di te"

Shim El Yasmine

Eines Nachts kam dieses Liebeslied zu mir im Brief und ich entdeckte die Liebe des fernen Libanons in einer endlosen Melancholie. Die eindringliche Stimme des Sängers und unvergleichliche arabische Melodien sind in mein Herz reingeschlichen und haben mir eine schaflose Nacht beschert, weit von hier.

Mashrou Laila "Shim El Yasmine" (live in der Schweiz)

 

Shim el Yasmine   
(Smell the Jasmines)

"Smell the jasmine
Taste the molasses
Remember, remember, remember to mention me
Brother, just don’t forget me
My lover, my prize
I would have liked to keep you beside me
Introduce you to my parents, have you crown my heart
Cook your food, clean your house
Pamper your children, be your housewife
But you’re in your house, and I’m in another
I wish you never left
This jasmine
Forgets me
The jasmine
And smell the jasmine
And remember to forget me"


Mashrou' Leila bei Baalbeck Festival 2012. (Bild via wikipedia unter CC-Lizenz)
"Mashrou‘ Leila ist eine der bemerkenswertesten Indie-Pop-Bands im Nahen Osten. Die libanesische Band gründete sich 2008 und hat seitdem drei CDs mit arabischen Texten veröffentlicht: Mashrou' Leila (2008), El Hal Romancy (2011) und Raasuk (2013).

Die gesellschaftskritischen und satirischen Texte und Themen von „Mashrou‘ Leila“ lösen Kontroversen aus. Die Musiker setzen sich mit dem politischen Konfessionalismus im Libanon auseinander, mit Liebe, dem Materialismus, finanzieller Not, Regierungskritik, Homosexualität und Homophobie: Mashrou‘ Leila hat sich als erste Band getraut, Liebeslieder von Mann zu Mann zu veröffentlichen."
Quelle

Mashrou Leila "Ala Babu"

 

Ala Babu

"I sleep, to dream, to conjure you
To imagine your hands where my own hands wander
I come back to you, bow down to you, though you strangle me.
I forgive you, and succumb to you, though you scorch me.
Tell me that he pleases you, the way that I once did.
When his lips go, where my lips went, tell me do you taste me?

My heart beats against your door,
And you lynch me with my aorta
My heart throws me at your feet.

I wanted to protect you, and have you harm me
With my flaws and my guilt and my scars.
I wanted to harm you, and have you protect me.
From my flaws, and my guilt, and my scars

My heart beats against your door,
You lynch me with my aorta
My heart throws me at your feet.
Melt the night into my glass, perhaps I’ll find some sleep
What use have I for sobriety, in solitude?

My heart beats against his door
And pines for his absence
My heart beats against his door
And covets his torture."


Mashrou Laila "Wa Nueid"


Wa Nueid (Ad Nauseam)

"We could wait till dawn
Till we've counted every last star.
And repeat and repeat and repeat.
We could carry our boulders,
And throw them over the top of the mountain.
And repeat and repeat and repeat.
We could open our eyes
When they storm them with dirt.
Tell them we can still see,
We could refuse to eat each other,
Even when starvation exposes our bones.
Tell them we're not hungry.
We could rattle till we destroy
The cages we've become."


Wie die Band auf ihrer Facebook-Seite andeutete, werden sie bald auch in Deutschland auftreten. 

20. September 2014

Für den Frieden


Morgen, am 21. September'14,  findet in Moskau der Marsch des Friedens statt. 50.000 Teilnehmer werden erwartet. Michail Chodorkowski ruft auf seiner Webseite zur Teilnahme auf, und zwar auch mit den Gedichten! Ich sitze hier sprachlos, alles in mir ist verstummt und höre ihnen zu, es ist zu stark, zu menschlich, zu eindringlich sogar für mich... Mit den Gedichten für den Frieden!!! Nur die Russen können das.

(Wer Übersetzungen aus dem Russischen benötigt, wendet Euch an mich einfach, ich übersetze es)

Oksana Myssina liest Ossip Mandelstam "Der Himmel ist mit Zukunft schwanger"

Sergej Propazhin liest Wladimir Majakowski "Euch"

Zoya Swetowa liest Boris Sluzki

Kirill Kovbas liest Louis Aragon "Walzer der Zwanzigjährigen"

Aleksej Devottschenko liest Ossip Mandelstam "Die Ballade von einem unbekannten Soldaten"

Katja Heifetz liest Jacques Prevert "Familiäres"

Marusja Orel liest Faina Grimberg "Andrej Iwanowitsch kommt heim"


Tamara Eidelmann liest Wilfrid Owen

Videos via khodorkovsky.ru


PS: Am 24. September findet ein Russischer Abend mit Michail Chodorkowski in Berlin statt. Er erzählt über sein neues Projekt: die Bewegung "Offenes Russland", stellt sein neues Buch vor etc. Der Eintritt ist frei, aber erst nach einer Registirerung möglich. Alle Informationen sind hier zu finden.

Unmöglich

Wer kann denn glauben, dass er 80 wird? Unmöglich, völlig.

Sein Buch "Das Lieblingsspiel" ist wunderschön hart und zärtlich zugleich, wie eine Hand, welche den Hals zuschnürt und unerwartet freilässt, seine Gedichte sind das, was ich brauche, wenn ich in den verregneten Abenden vor dem Herbst sitze und warte, auf dich, und seine großartige jüdische Nase ist unvergesslich...


Leonard Cohen "Famous blue raincoat"


28. August 2014

Wenn

Wenn deine Hand nach meiner greift
Und deine Augen aufwachen,
Tue mir das an, was Winde mit dem Weizen tun.
Als ob wir Letzte wären, auf Solaris.

Wenn Wort dein sanft in mich eindringt
Und du zum Sommer reifst, den ich gebeten.
Küss heftig jedes Nein in meinem Mund,
Saug jedes Ja aus mir verwirrt zur Neige.

Bis Wege unter Füßen explodieren und wir fallen.

24. August 2014

18. August 2014

Mit dir

… 
Your lonesome eyes of silent man, 
We meet on rainy station. 
Two weeks or three, and next to me 
Your sweetest eyes, your broken words. 
I love your hands. 
My august heart in subtle beats 
Of longing for your ardent home. 
And you include my torsos warmth 
With hungry lips of truthful war. 
We meet again to feel the pain 
Of farewell, until again 
Your torture tongue marks kisses trail 
Of train you come
And hold the flame. 

05. August 2014




Zum Trotz

Die Sterne fliehen von der Decke, 
Die heute Nacht umarmen wird. 
Es ist zu schwül, 
Ich warte auf Abkühlung, 
Der Regen kommt, 
Mit ihm beginnt das Glück... 
Feucht werden deine Haare, 
Geboren neu die Sinne in dem Kopf, 
Nur in das Herz kriecht keine Kühle, 
Im Schlagen liebt es, dir zum Trotz.  

29. Juli 2014 




Lippen

Und unter Wasser sind die Lippen frei, 
Die Hitze wandert von der Oberfläche. 
In deinen Armen schwimme ich mich satt, 
Wir tauchen zum Grund des Meeres. 
Türkis und rein in beiden Herzen.

18. Juli 2014


Freundeskreis feat. Joy Denalane"Mit dir"


Für Z.

4. Juni 2014

Mitternachtsübungen °3

Ich bin keine Philosophin, lediglich die Gedanken zur Freiheit und somit zum Glück sind hier festgehalten worden.

Was ist Freiheit? 



Text, Stimme und Bild: Ann.
Nachzulesen hier.


Am 24. Mai hatte mein Lieblingspoet Brodsky Geburtstag, über ihn gab es einen unglaublich feinen Beitrag in russischer Sprache, inklusive des Gerichtsprotokolls, als er mit 23 Jahren in der Sowjetunion verurteilt wurde..., weil er Dichter war. 
Судья: Ваш трудовой стаж?
Бродский: Примерно...
Судья: Нас не интересует «примерно»!
Бродский: Пять лет.
Судья: Где вы работали?
Бродский: На заводе. В геологических партиях...
Судья: Сколько вы работали на заводе?
Бродский: Год.
Судья: Кем?
Бродский: Фрезеровщиком.
Судья: А вообще какая ваша специальность?
Бродский: Поэт, поэт-переводчик.
Судья: А кто это признал, что вы поэт? Кто причислил вас к поэтам?
Бродский: Никто. (Без вызова). А кто причислил меня к роду человеческому?
Судья: А вы учились этому?
Бродский: Чему?
Судья: Чтобы быть поэтом? Не пытались кончить вуз, где готовят... где учат...
Бродский: Я не думал... я не думал, что это даётся образованием.
Судья: А чем же?
Бродский: Я думаю, это... (растерянно) от Бога...
Судья: У вас есть ходатайства к суду?
Бродский: Я хотел бы знать: за что меня арестовали?
Судья: Это вопрос, а не ходатайство.
Бродский: Тогда у меня нет ходатайства.

Quelle
Darin zu finden ist natürlich auch seine Lyrik, sein Leben, Liebe und Glück, die er so spät fand, und wirklich wunderbare Fotos. Er ist ein Genie gewesen... 5 Tage später hatte jemand Anderer Geburtstag, dessen Vorname und er selbst mir viel bedeuten. Auch auf diese Weise eine Gratulation für diesen für mich besonderen Menschen.












European Jazz Trio "Fragile"


Bilder: Ann




Vorherige Aufnahmen eigener und fremder Gedichte:

21. Mai 2014

Liebesgedichte für Unvernünftige

"Anna, komm, mein warmer Stein
leg dich in mein Kissen
trink von mir und trink vom Wein
morgen werd ich nichts mehr sein
nur das mußt du wissen."

(Thomas Brasch, der leider viel zu früh verstorbene Dichter...)

Es folgen einige ganz private Leseaufnahmen auf Deutsch und Russisch für Liebhaber meiner Stimme und der Poesie. Es sind Gedichte einiger Lieblingsautoren gewesen. (Es kann sein, dass Ihr Browser einige Momente braucht, um den Player zu laden.) 



Wer mehr über das jeweilige Gedicht und seinen Autor erfahren möchte, klicke bitte auf "View track" beim ertönenden Gedicht in der Liste oder gehe einfach zu meinem SoundCloud-Profil

Vorherige Aufnahmen eigener Gedichte:

8. Mai 2014

Mitternachtsübungen °2

Wieder eine Aufnahme einer Leseübung. Es ist nicht perfekt, aber gerade deswegen ist es meins.



Bild, Stimme und Gedicht: Ann.
Das Gedicht selbst kann man hier nachlesen.

Passend fand ich auch noch die Improvisation einer wunderschönen jungen Tänzerin.


30. April 2014

Dem CERN sei Dank

Zunächst wollte ich etwas angeblich Philosophisches schreiben, vielleicht auch nicht zu Fröhliches, aus einem bestimmten Anlass, der mich eben nicht besonders erfreute. Meine Pläne dazu starben aber. Heute klingelte jemand morgens dreimal an der Tür und ich schaffte es trotzdem nicht, ihm rechtzeitig aufzumachen. Ich erwartete niemanden, meistens sind es  tüchtige Werbetreibende oder die Zeugen Jehovas, die ein Stück deiner Seele kaufen möchten. Ich rannte zum Fenster und schaute nach unten. Es war ein älterer Mann mit den langen grauen Haaren, der sich mit den Blumen in der Hand entfernte. Aus einem bestimmten Grund verstand ich, dass es nicht für jemanden Anderen, nur für mich sein könnte. Schnell zog ich mich an und lief viele Stufen hinunter, riss die Tür auf und, oh Glück, der Mann kehrte wieder zurück, aber ohne Blumen diesmal, nur, um eine Benachrichtigung zu hinterlassen. „Wollten Sie zu mir?“ – schrie ich laut in die Straße. „Ja!“ Er lachte überrascht und zufrieden, dass er den Adressaten doch erreichen konnte, und ging wieder zu seinem Wagen. Nicht mal richtig angezogen, stand ich da, wünschte mir und wusste innerlich, dass diese Blumen nur von einem Menschen sein könnten, auch wenn nichts darauf deutete. Ich habe sie überhaupt nicht erwartet. Der Mann vom Blumenladen überreichte sie mir ganz sorgsam. Noch bevor ich die Treppe zurück in die Wohnung lief, öffnete ich mit dem lauten Herzen den Briefumschlag. Ja, ich habe mich nicht geirrt. Es ist das schönste Geschenk, die schönste Überraschung, die ich je erhielt. Ich bin 35 geworden und bin einfach glücklich.

Geschrieben letzte Woche


 2 Monate alt

Bäume im Frühling sind schöner als ich

... Ein Gedankenwolkenbruch aus dem frühen April.

Wir folgten unbekannten Geräuschen aus dem Zentrum der Stadt. Neben dem Brunnen da spielte  ein alter Mann mit den langen grauen Haaren auf einem Zupfinstrument, dessen Namen ich nicht kenne. Es war anders und klang sehr anziehend, man hatte fast das Gefühl, dass gleich etwas passieren würde. Ich fühlte mich ein wenig verloren und drehte mich suchend um. Es ereignete sich aber nichts. Wir spazierten und sprachen, gingen zu einem alten kleinen Friedhof, wo Clara und Robert Schumann ihre Stätte bekamen, setzten uns auf eine Bank dort im Schatten und erzählten uns, was jeder in den letzten Jahren durchlebt hatte. Das letzte Mal habe ich meine Begleiterin vor drei Jahren gesehen, danach geschah Einiges. Unweit von uns wurde ein Film gedreht, es gab Besucher mit den Blumen und wir sprachen ausgesprochen leise, flüsterten. Es war seltsam, andererseits das Menschlichste, was man nur tun könnte, das Beruhigendste wegen der Stille dort. Sie meinte: "Ach, sie hätten doch nichts dagegen, von den Problemen der Lebenden zu erfahren. Sie hatten sie früher bestimmt auch…" Das Wichtigste, was ich an diesem Abend für mich wieder verstand, war, dass unser Leben viel zu kurz sei, sich in den Nebensächlichkeiten zu verlieren, und wir Menschen, die uns wichtig sind,  erfreuen sollten, sie glücklich machen. Bevor es zu spät wird. 

Auf dem Rückweg durch die Rheinbrücke in Bonn entdeckte ich unerwartet folgende Zeilen auf Russisch, gekritzelt mit einem schwarzen Marker... Zunächst ging ich weiter, es beschäftigte mich aber und ich kehrte nach 20 Schritten wieder zurück, stand da und konnte nicht fort... Es sind Worte des großen russischen Dichters Sergej Jessenin gewesen. 


Übersetzt bedeutet es:

Den Groben wird Freude gegeben,
Den Zärtlichen Traurigkeit.
Mir selbst ist nichts vonnöten,
Niemand tut mir leid...

Daneben stand etwas in einer Sprache, die mich an Hebräisch erinnerte.

Ane Brun "To let myself go" (Kaiben Remix)

 
Und dann fing der Frühling an. Die Fenster wurden nur deswegen gewaschen, um frische Blätter sehen zu können, jeden Tag, in einem Mix aus weißen bis weißgrauen Wolken, welche aus einem kaputten Zuckerwattegerät auf die blaue Wiese geschleudert wurden. Darin besteht ihre unordentliche Schönheit. Wenn man sich kurz entspannt, werden oben Tiere sichtbar, heute war es eine Katze, eine weiße, wattige Katze mit den Ohren. Nein, ich bin nicht verrückt und nichts Romantisches wäre das gewesen, bloß Spiele für ermüdete Augen sind es immer, wenn ich den Himmel sehe. Abends riecht ein Baum in der Nähe besonders, ich nehme an, es ist eine Linde, dunkelsüß, schwer, aber nicht unangenehm. Diese Gerüche werden mit in die Wohnung genommen, nicht auf der Kleidung, eher im Kopf, auch wenn sie längst vorbei sind. Ist es nicht so, dass Gerüche einen Teil unseres Lebens ausmachen? Ohne sie wäre man irgendwie unvollständig. 









* * *  
Dunkles aus meinen Augen will entwischen, 
Es will weinen und sich vor dir verkriechen. 
Ich verliere mein Licht, bald erblinde, Liebster, 
Deine Schönheit kann nicht mehr verwirren. 
Dunkles aus meinem Herzen wird nicht länger lärmen, 
Es wird mein finsteres Herz an keins kleben - 
Mit den Tränen eines einsamen Tieres, 
Das beim Träumen verraten wurde, 
Fremd den Menschen. 
Mit den Stücken verstümmelter Flügel 
Steht es hier und erwartet dich, 
Sich belügend. 

01. April 2014 




* * *
Meine Treue trägt seltsame Stoffe, 
Meine Treue führt dich zum Altar. 
Nie war deine an meine gebunden, 
Deine Treue gehört mir nie an. 
Sie ruft laut zu mir: Sei doch frei. 

01. April 2014 




* * *
Dich lieben ist das Schwierigste, was ich zu tun habe. 
Dich lieben, ohne dich zu berühren. 
Dich wollen ist das Schmerzhafteste, was ich je erlebt habe. 
Dich wollen, ohne dich zu fühlen. 

01. April 2014


Okean Elzy "Umarme mich"   
(Engl. Übersetzung aus dem Ukrainischen ist im Video)


Bilder sind von Ann.